In Karlsruhe befindet sich die Logistikzentrale von Hoser & Mende (ein Teilunternehmen von Schweitzer Fachinformationen). Hier wird ein Großteil des Wareneingangs bearbeitet und von hier werden auch alle Botenkunden im Südwesten beliefert. Eine Woche war ich am Standort zu Gast, um die Aufgaben, Prozesse und Arbeitsweisen näher kennenzulernen. Dafür musste ich die Woche zwischen Stuttgart und Karlsruhe pendeln, was trotz der Beteiligung der deutschen Bahn erstaunlich gut lief. Für die einzigen Probleme sorgte ein eintägiger Streik der Karlsruhe Busunternehmen.
Die eigentliche Arbeit
Am Standort angekommen bekam ich eine Tour durch die „heiligen Hallen“, bevor wir gleich ans Eingemachte gingen.

Im Erdgeschoss befindet sich der Logistikbereich mit allen Botenfächern. Hier kommen morgens die Lieferwannen von Libri, Umbreit und unserer zentralen Buchlogistik an, mit allen Titeln, die wir am vorherigen Tag bestellt haben. Von den Barsortimenten, so werden Buchgroßhandelsunternehmen genannt, bekommen wir elektronische Lieferscheine zugeschickt. Das heißt wir packen die Wannen aus und checken ob alle Bücher auch korrekt angekommen sind. Im Lieferschein sind zeitgleich auch die Meldenummern vermerkt für alle Titel, die nicht geliefert werden konnten. Über die jeweilige Nummer lässt sich dann herausfinden warum sich eine Bestellung verzögert und bis wann mit einer Lieferung circa zu rechnen ist. In seltenen Fällen bekommt man hier auch mal die Mitteilung, dass ein Titel komplett vergriffen ist, dann müssen wir natürlich aktiv werden den Auftrag im System schließen und den Kunden informieren. Sind nun alle Wannen überprüft kann der Lieferschein in unserem System gespeichert werden. Im nächsten Schritt lassen wir uns dann wiederrum unsere Rechnungen bzw. Lieferscheine ausdrucken und teilen sie mit den Büchern den entsprechenden Botenfächern zu.
Zusätzlich kommen über den Tag verteilt auch die Lieferungen an, die wir bei den Verlagen direkt bestellt haben. Vom Prinzip funktioniert das genauso wie die Lieferungen der Barsortimente. Es gibt aber 2 Unterschiede. Am wichtigsten ist, dass man eine Rechnung zu der jeweiligen Lieferung vorliegen hat, damit die Buchhaltung alles korrekt verbuchen kann. Wenn sie nicht einfach mitgeschickt wurde, kann es manchmal kniffelig werden die Rechnung die entweder per Mail, per Post oder übers Internet verschickt wurde zu finden. Hat man die Rechnung gefunden muss man auch noch den tatsächlichen Preis, den Rabatt, den wir bekommen und etwaige Portokosten vermerken.
Natürlich machen Bücher 99% des Wareneingangs aus, doch dank ein-zwei „speziellen“ Kunden landen mitunter auch Kuriositäten wie die anatomische Nachbildung eines Kleinkindes, oder eine Lieferung mit Schaumstoffschlägern in Karlsruhe.
Aus den Botenfächern packen die Fahrer die Lieferungen ein und verteilen sie dann an die Endkunden. Am Dienstag hatte ich die Gelegenheit einen der Fahrer auf seiner Tour durch Karlsruhe zu begleiten. Neben der Post fuhren wir noch diverse Landes- sowie Bundesgerichte in der Innenstadt an. Damit hatte ich vom Wareneingang bis zur Auslieferung die komplette Reise, die eine Lieferung bei uns macht, miterlebt.
Eine besondere Woche
Innerhalb der einen Woche gab es gleich mehrere besondere Ereignisse. Nachdem am Dienstag die Busse streikten, zog am Mittwoch die Post mit. Weswegen wir wesentlich länger als üblich auf die Verlagslieferungen warten mussten. Am Donnerstag begann am Bundesgerichtshof die Revisionsverhandlung im brisanten Fall Lina E. Dafür wurde das Gebiet um den BHG weiträumig abgeriegelt. Das bedeutete für uns, dass wir die Botentour vom Donnerstag erst am Freitag ausliefern konnten. Es wurde also auf jeden Fall nie langweilig und die Woche war im Nu vorüber. Ende Februar werde ich nochmal eine Woche vorbeischauen, um das Gelernte zu vertiefen.
~ Simon aus Stuttgart ~
Gelieferte Gebeine – der neue Fitzek, Erzählungen aus dem Wareneingang