Buchtipp: Klara und die Sonne

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Titel: Klara und die Sonne

Autor: Kazuo Ishiguro

Preis: 17,00€

Erscheinungsdatum: 10.08.2022

Seitenzahl: 352 S.

ISBN: 978-3-89667-739-6

Verlag: Blessing (Verlag)

Klappentext

Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie, studiert das Verhalten der Leute und hofft, bald von einem jungen Menschen ausgewählt zu werden. Als ein Mädchen sie schließlich mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.

Rezension

Die Idee von künstlicher Intelligenz ist präsenter denn je. Heutzutage wird dem jedoch mit einem sehr nüchternen, klaren Blick entgegengesehen, was bei manchen Leuten zu Unstimmigkeiten führen kann. In „Klara und die Sonne“ wird diese Idee jedoch komplett neu aufgegriffen. In dem Roman, veröffentlicht in 2022, geht es um den „AF“ namens Klara. AF steht in dem Sinne für „Artificial friend“ und das ist genau der Kern des Prinzips. Auf den ersten Blick ist dieser Fakt genauso nüchtern wir die Idee hinter alldem: Eine künstliche Intelligenz, die jungen Menschen als Begleiter dienen soll, sie leitet, beschützt; lehrt. Aber wenn man auch nur minimal zwischen den Zeilen liest, so entdeckt man einen gewissen wehmütigen, faszinierenden Ton, der nicht oft aufzufinden ist. Beginnen tut es mit Klaras Alltag in dem Geschäft, in welchem sie präsentiert wird. Ein Geschäft für die hoch-anerkannten „AF“s. Ihr Alltag ist eintönig, abgesehen von den Platzrotationen, welche die AF’s ab und zu durchgehen, um den Durchlauf des Geschäfts aktiv zu halten. Klara erzählt von ihren Verbindungen zu den anderen künstlichen Intelligenzen und zu ihrer Zuneigung gegenüber der Sonne. Ein er, wie es ganz charmant im Buch beschrieben wird. Die Sonne dient als Energiequelle und Klara erzählt immer wieder über das hin fiebern zum Abend, wo die Strahlen perfekt in den Laden reichen. Eines Tages tritt ein junges Mädchen vor das Schaufenster des Ladens und beäugt Klara, ganz detailliert, ganz aufmerksam. Klara ist nicht ganz wie die anderen AF’s. Einem Charakter, einer künstlichen Intelligenz, solch einen emotionalen Durst zuzuweisen, wie es Ishiguro mit Klara geschafft hat, ist wirklich außerordentlich bemerkenswert. Klara sehnt sich nach mehr Wissen über die menschlichen Gefühle, wie Freude, Wut, Trauer und vieles mehr. Sie möchte wissen, wie sie sich in den Gesichtern der Leute äußern, möchte wissen, wie es funktioniert. Dadurch entwickelt sie auch ein gutes Auge zur Beobachtung, was sogar dem Manager des Ladens auffällt. Irgendwann kommt es dann endlich dazu: Klara wird gekauft, wie bizarr es auch klingt. Dann beginnt ihr Leben in dem Haus von Josie, einem jungen, kranken Mädchen, ihrer strengen, aber besorgten Mutter und allen Situationen, die solch eine Konstellation eben mit sich zieht.  

Die Worte, die in diesem Roman genutzt werden, sind wunderschön. Trotz der Übersetzung kommt das grüblerische und aufmerksame durch, dieser wehmütige Ton, der einen direkt in Klaras Lage versetzt. Eine Lage, in welcher der Grund der eigenen Existenz gar klar definiert ist: um zu dienen. Eigentlich ein einfaches, karges Prinzip, aber Ishiguro gibt dem allem solch einen menschlichen Hauch, der alles nur noch tiefer und spannender macht. Beginnen tut dann eine Geschichte von wachsendem Verständnis sowie Entfremdung, Menschlichkeit wo keine sein sollte und dem allgegenwärtigen Fakt, dass die Sonne beobachtet. Und er sieht alles. 

~ Jonah aus Frankfurt ~

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