Das Konzept klang zu gut zum Ablehnen
Während der Ausbildung als „Kaufleute für Büromanagement“ hat man natürlich auch Berufsschule. In Düsseldorf bedeutet das: mehrere Monate raus aus dem Unternehmen und rein in die Schule. Gleich im ersten Block nimmt man dann an der schuleigenen Messe „NextStep“ am Max-Weber-Berufskolleg teil. Dort werden verschiedene Weiterbildungsangebote vorgestellt, die man während oder nach der Ausbildung machen kann. Und so kam es, dass mir diese wunderbare Möglichkeit vorgestellt wurde: 3 Jahre Abendschule an zwei bis drei Abenden pro Woche von 17:30 – 21:30 Uhr. Dabei holt man sein Fachabi nach, macht den staatlich geprüften Betriebswirt, der seit 2020 „Bachelor Professional mit Schwerpunkt BWL und Rechnungswesen“ genannt wird, und gleichrangig mit einem akademischen Bachelor ist, und kann zusätzlich den Ausbildereignungsschein machen, wenn man das möchte. Der Betriebswirt kann staatlich, so wie bei mir, oder über die IHK gemacht werden. Der stattliche Betriebswirt ist auf DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen) Niveau 6 und der IHK-Betriebswirt auf DQR 7, was gleichwertig zu einem Master ist. Das alles ohne Studiengebühren und nur mit den Prüfungsgebühren für den AdA-Schein (Ausbildung der Ausbilder also Ausbildereignungsschein) sowie ein paar Büchern, die man selbst besorgen muss. Wer kann da schon Nein sagen?
Grade richtig oder viel zu viel?
Begeistert, wie ich also war, ging ich am nächsten Tag direkt zu meiner Ausbilderin und habe mir die „Erlaubnis“ geholt, das machen zu dürfen. Zum Glück hat das ohne Probleme funktioniert, auch wenn man die Erlaubnis grundsätzlich nicht braucht. Dann hieß es: eine schnelle Bewerbung mit allen Unterlagen, die man bis dahin schon hat, an die Mailadresse schicken und warten, ob man angenommen wurde oder nicht. Und warten hieß auch einige Wochen warten. Aber dann kam der Brief, angenommen! Und was habe ich mich gefreut! Zu dem Zeitpunkt realisiert man noch nicht ganz, dass man sich gerade darüber freut, für drei Jahre fast sein gesamtes Privatleben aufzugeben. Anfangen kann man, so wie ich es getan habe, frühstens im zweiten Lehrjahr, parallel zur 40-Stunden-Woche eines Vollzeit-Azubis. Während der Schulblöcke ist man zwar früher zu Hause, aber Schade, es gibt in beiden Bildungsgängen natürlich Klausuren, die manchmal auch noch zeitgleich laufen. Und schon an den ersten Tagen, an denen der Betriebswirt startet, merkt man, wie sehr das an den Kräften zerrt. Da kommt ziemlich schnell der Gedanke: „Was habe ich mir da nur angetan?“
Ja und was habe ich mir jetzt eigentlich angetan?
Genau diese Frage habe ich mir grade in den ersten Wochen immer wieder gestellt. Vor allem dann, wenn man abends müde im Unterricht sitzt und tagsüber auf der Arbeit eigentlich auch schon komplett fertig ist. Und Herrgott war ich die ersten drei bis eventuell vier Wochen fertig. Aber eins muss man dem menschlichen Körper lassen er ist anpassungsfähig: zum Glück! Und so merkt man nach der ersten Zeit „Hey ich glaube, das ist doch machbar“. Dann kommt im November/Dezember die erste Klausurenphase und man fragt sich beim Lernen und in den Klausuren direkt wieder, was man sich da eigentlich bei gedacht hat. Denn natürlich werden auch die Klausuren abends nach der regulären Arbeit geschrieben.
Aber es ist auch nicht so schlecht, wie man jetzt vielleicht denken würde. Die anderen Mitstudierenden sind genauso am Ende, aber auch alle genauso motiviert. Es sind kleine Gruppen, die schnell zusammenwachsen, weil alle im selben Boot sitzen. Gerade, wenn man selbst noch in der Ausbildung steckt, tut es gut zu merken, dass man mit dem Stress nicht allein ist. Außerdem ist es freiwillige Erwachsenenbildung und das merkt man im Umgang miteinander sehr deutlich. Es ist kein Vergleich zur Berufsschule.
Die Fächer in den ersten zwei Semestern: Rechnungswesen, BWL, VWL, Absatzwirtschaft, Mathe und Deutsch – klingen vielleicht nicht für jeden sofort superspannend und man hat definitiv seine Favoriten. Aber dadurch, dass vieles einen direkten Bezug zum Berufsalltag hat, bleibt es spannend und vor allem greifbar. Man erkennt echte Probleme aus Unternehmen wieder, findet passende Lösungsansätze und versteht manche Dinge aus dem Arbeitsalltag plötzlich viel besser. Zusätzlich macht man in den ersten zwei Semestern mehrere kleinere und größere Projekte. So erarbeitet man zum Beispiel in kleinen Gruppen, wie man Statistiken manipuliert, ohne sie zu fälschen, wie man den Absatz eines fiktiven Taschenunternehmens steigern könnte oder wie neue und innovative Produkte für dieses Unternehmen aussehen könnte. Oder man ersetzt die gesamte zweite Deutschklausur durch eine Gruppenhausarbeit zu einem Thema unserer Wahl, welches erarbeitet und anschließend präsentiert wird. Das gestaltet die Abende deutlich lebendiger und dient als Vorbereitung auf die praktische Projektarbeit am Ende der Studienzeit. Bei dieser Projektarbeit sucht man sich mit seiner kleinen Gruppe ein Unternehmen aus und entwickelt dort konkrete Lösungsansätze für bestehende Probleme wie zum Beispiel zu geringe Kundschaft, die Verbesserung der Vermittlung von Lerninhalten an Azubis, eine Prozessoptimierung in der Finanzbuchhaltung oder ein neues Controlling-Konzept sein. Diese Projektarbeit ist neben den Abschlussprüfungen ein echtes Kernelement der Weiterbildung. In den Abschlussprüfungen werden alle Fächer, die man über die gesamte Zeit hatte, auf drei Klausuren aufgeteilt und miteinander verknüpft. Und ja, davor habe ich jetzt schon Bammel.
Fazit nach fast 2 Semestern
Nach nun fast einem Jahr, also zwei Semestern, kann ich guten Gewissens sagen: Ja es ist anstrengend. Aber, Himmel, lohnt es sich. Abends habe ich immer wieder Spaß, die Mitstudis und Dozenten sind großartig und ich lerne unglaublich viel. Vor allem lerne ich vieles, das mich wirklich interessiert und das ich auch mit meiner Ausbildung sowie meinem Arbeitsalltag verbinden kann. Außerdem ist es einfach eine coole Möglichkeit, sich weiterzubilden, wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen und vielleicht später auf der Karriereleiter aufzusteigen. Ich persönlich bin inzwischen so überzeugt davon, dass ich Ende Juni selbst bei der NextStep mitgeholfen habe den Bildungsgang zu bewerben und echte Einblicke zu geben. Ich bin froh, dass ich letztes Jahr auf der Messe gewesen bin, mir die Präsentation angehört, mich angemeldet und mein erstes Jahr insgesamt positiv be- und überstanden habe. Wenn ihr selbst darüber nachdenkt, neben der Ausbildung eine Weiterbildung zu starten, würde ich euch ehrlich raten: Unterschätzt es nicht, aber lasst euch auch nicht direkt abschrecken. Es ist anstrengend, manchmal wirklich viel auf einmal, und definitiv nicht immer leicht. Aber wenn euch die Themen interessieren und ihr bereit seid, euch zu organisieren, kann es sich wirklich lohnen.


~ Stella aus Düsseldorf~