Vergangene Woche war es wieder so weit: Die Frankfurter Buchmesse hat stattgefunden. Ich habe nun zum dritten Mal während meiner Ausbildung die Buchmesse besucht, doch zum ersten Mal bin ich nicht nur privat dort gewesen. In den letzten 2 Jahren ging es für mich vor allem darum, dass Messe-Feeling zu erleben, die coolsten Foto-Spots zu finden, Freunde aus der Berufsschule wieder zu treffen und natürlich ganz viele Leseexemplare abzustauben.

Da meine momentane Ausbildungsabteilung der Zeitschriften- und Buchimport ist ging es für mich dieses Jahr mit zwei Kolleg*innen aus dem Import auf die Messe und ich hatte die Möglichkeit, diese zu Gesprächen mit internationalen Verlagen und Lieferanten zu begleiten.
Die Frankfurter Buchmesse bietet unserer Import-Abteilung die Gelegenheit Ansprechpartner bei den Verlagen vor Ort zu treffen. Da wir im Import mit internationalen Verlagen zusammenarbeiten, sind die Gelegenheiten sich in Person zu treffen ziemlich rar. Durch unterschiedliche Zeitzonen sind Online-Meetings ebenfalls nicht immer leicht zu planen. Umso praktischer also, dass so viele Verlage auf der Messe vertreten sind.
In den Gesprächen, denen ich beiwohnen durfte, haben wir viel über Neuerungen in der Produkt- und Preisgestaltung gesprochen. Außerdem ging es darum, wie die aktuelle Zusammenarbeit läuft und ob es Verbesserungs- oder Änderungswünsche gibt. Ebenfalls ein großes Thema war alles rund um den Zoll, Steuern und Import-Details. Politische Auseinandersetzungen und steigende Zölle machen es vor allem für kleinere Verlage schwerer ihre Produkte international zu versenden. Insbesondere bei geringen Stückzahlen erscheinen die zusätzlichen Kosten, die durch den Versand entstehen oft unverhältnismäßig zum tatsächlichen Preis der Ware. Um ein möglichst großes Angebot bieten zu können, ist es also wichtig, dass unsere Import-Abteilung mit unseren Lieferanten und Geschäftspartnern an Lösungen arbeitet.

Diese Gespräche waren eine schöne Ergänzung, zu meiner restlichen Zeit in der Import-Abteilung. Im Tagesgeschäft geht es viel mehr um konkrete Aufträge, die bestellt werden oder Recherchen zu einzelnen Titeln. In den Verlagsgesprächen hingegen wurden viel übergreifende Dinge thematisiert, die zwar für das Tagesgeschäft relevant sind, mit denen man als Azubi aber eher selten Berührungspunkte hat. Den Gesprächen beizuwohnen, hat mir eine neue Perspektive auf die Zusammenarbeit zwischen Verlagen und Schweitzer ermöglicht.
Selbstverständlich haben wir es uns auch nicht nehmen lassen einmal am Schweitzer Messe-Tisch vorbeizuschauen. So habe ich einige Kolleg*innen zum ersten Mal in Präsenz getroffen und auch neue Kolleg*innen kennengelernt, mit denen ich bisher noch nicht in meinem Arbeitsalltag zu tun hatte.

Mein Messetag bestand jedoch nicht nur aus Terminen und Verlagsgesprächen. Die Frankfurter Buchmesse bietet ein unfassbar abwechslungsreiches und breit gefächertes Programm. Die Erfahrung, dass man nie alle Programmpunkte schafft, die man sich vornimmt, habe ich bereits in den vergangenen Jahren gemacht. Im letzten Jahr habe ich beispielsweise so viele Interviews und Diskussionen besucht, dass ich gar nicht dazu gekommen bin den Pavillon des Gastlandes zu besuchen. Um meinen Fehler aus dem letzten Jahr nicht zu wiederholen, ging ich in diesem Jahr bereits direkt nach meinen Terminen zum Bereich des Gastlandes. In diesem Jahr war das Gastland übrigens Tschechien. Dort habe ich mir ein sehr interessantes Gesprächspanel über die Erfahrungen und Arbeitsweisen junger Übersetzerinnen und verschiedener Fördermöglichkeiten angehört. Ebenfalls gab es eine sehr coole Live-Kunst-Installation. Hier wird jeden Tag ein neues Werk gezeichnet, in Zusammenarbeit von einem menschlichen Künstler und einem Zeichen-Roboter. Danach ging es weiter zur Literaturbühne, wo ich mir ein sehr bewegendes Interview mit Gisèle Pelicot angeschaut habe.

Zum Schluss habe ich dann noch meine Runde durch alle Hallen beendet und natürlich bei den großen deutschsprachigen Publikumsverlagen vorbeigeschaut. Die Messe bietet hier eine sehr gute Gelegenheit die Neuerscheinungen der Verlage kennenzulernen. Da ich als Buchhändler-Azubi bei Schweitzer quasi gar nichts mehr mit Belletristik und aktuellen Neuerscheinungen des Nicht-Fachbuchs zu tun habe, freue ich mich über jede Gelegenheit ein paar mehr Einblicke in die „klassischere“ Buchbranche zu erhalten. Und natürlich durften auch die Leseexemplare nicht fehlen, die einige Verlage an Auszubildende Buchhändler*innen verteilen. Mein ganz persönliches Highlight war jedoch das Glas Honig der Verlagsbienen von Stiftung Warentest 😊.

~ Hannah aus Frankfurt ~