Titel: Der futurologische Kongreß
Autor*in: Stanislaw Lem
Preis: 9,00 €
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2021
Seitenzahl: 138 S.
ISBN: 978-3-518-47145-6
Verlag: Suhrkamp
Klappentext:
Hier bleibt Ijon Tichy, der Held so vieler lemscher Erzählungen, ausnahmsweise auf dem Boden, das heißt auf der Erde. Es bedeutet allerdings nicht, dass es ihm hier langweilig würde, ganz im Gegenteil: Er wird beschossen, eingefroren, aufgetaut, betäubt, benebelt, beglückt und bekommt schließlich noch einen Rattenschwanz verpasst. Der futurologische Kongreß ist eine der großen Dystopien des 20. Jahrhunderts – allerdings deutlich lustiger als die Konkurrenz von Orwell, Huxley oder Atwood.
Rezension:
Der Einstieg in das Buch erfolgte mehr oder weniger als Blindflug in eins der eher kürzeren Werke Lem’s, dennoch ändert es nichts an der fantastischen Verrücktheit des Buches (und das meine ich buchstäblich!). Es ist auf keinen Fall der übliche Sci-Fi Roman wie man unter Umständen von einem Perry Rodan oder diversen Serien erwartet.
Über die 138 des Buches erlebt der Protagonist eine wilde Achterbahnfahrt an Emotionen, Geschehnissen und Story. Man hat an den meisten Stellen des Buches, das Gefühl, das jede Seite eine andere Geschichte erzählt, der rote Faden welcher, während der ersten 20 Seiten gespannt wurde, wird durch Sympathisanten des Streichholzschachtel Sammelvereins, mit Serotonin versetztem Trinkwasser und einem spontanen Angriff der örtlichen Miliz aus der Ankerung geholt, zerrissen, verbrannt und entsorgt. Jede Seite ist eine abenteuerliche Erlebnisreise die einen fast immer an sich selbst zweifeln lässt, ob man nicht zwischendurch ein anderes Buch aufschlagen und begonnen hat. Nach einer kurzen Gehirntransplantation des Protagonisten in einen anderen Körper, dem Aufenthalt in der Psychiatrie mit anschließender Kryostase und erwachen in der Zukunft erhält man plötzlich den roten Faden, welcher zuvor im Kompost entsorgt wurde, zurück (zumindest für eine Weile).
Ab dieser Stelle bewies Lem seine Bekanntheit für seine utopisch sowie dystopischen Zukunftsvisionen, welche zum Nachdenken anregen und vor allem den Gedanken auftauchen lassen “Was habe ich grade gelesen und wieso habe ich es nicht schon früher entdeckt?“.
~ Lawrence aus Frankfurt ~
