Meine Hospitation bei der Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg

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Wie wichtig der direkte Kontakt und eine gute Kommunikation zwischen Kunden und Lieferanten ist, zeigt sich immer wieder aufs Neue. Daher findet bei uns am Standort Hamburg/Hannover regelmäßig ein Austausch zwischen den FaMI-Azubis (Fachangestellte für Medien und Informationsdienste) der Stabi und uns Fachbuchhändler*innen im 3. Lehrjahr statt.

Zusätzlich zum besseren Verständnis der Bedürfnisse unserer Kunden erhalten wir so die Chance, Einblick in einen anderen sehr spannenden und ebenfalls auf das Medium Buch bezogenen Ausbildungsberuf zu bekommen. Dieses Jahr hieß es also für Alice und mich: eine Woche Bibliotheksluft schnuppern und auf den Spuren Indiana Jones‘ wandeln (oder so ähnlich).

Tag 1: Rundgang und Ausleihzentrum

Für uns startete die Austauschwoche ganz entspannt und ausgeschlafen um 10 Uhr morgens am Infoschalter der Staats -und Universitätsbibliothek. Dort wurden wir mit einem Plan des Gebäudes, unseren Praktikantinnen-Ausweisen und jeweils einem Schlüssel ausgestattet, der uns all die Türen öffnen sollte, die den „normalen“ Besucher*innen der Stabi normalerweise verschlossen blieben. Nach einem kurzen Einstiegsgespräch mit unserer Ansprechpartnerin vor Ort wurden wir auf eine sehr originelle Rallye durch die Bibliothek geschickt, um einen ersten Eindruck vom Gebäude zu gewinnen und uns darin zurecht zu finden. Anschließend wurden wir auf eine detaillierte Führung durch einige Magazine und den historischen Altbau mitgenommen, das Highlight bildete allerdings die Terrasse in der obersten Etage und der damit verbundene Ausblick über unser schönes Hamburg.

Im Anschluss an die Mittagspause wurden wir in die Aufgaben des Ausleihzentrums und des Informationstresens eingeführt. Dabei wurde uns gezeigt, wie die Rückgaben und die Ausleihe über das „Selbstverbucher-System“ funktioniert, wie die Bücher bereitgestellt und nach Rückgabe wieder je nach Signatur zurück an ihren angestammten Platz innerhalb der Bibliothek gelangen.

Danach beantworteten wir die gängigsten Fragen am Informationstresen: „wo kann ich meine vorbestellten Bücher abholen?“ „Wie bekomme ich einen Bibliotheksausweis?“ „Mein Ausweis läuft ab, kann ich den verlängern lassen?“, um nur einige zu nennen. Für die erprobten Mitarbeitenden alles Routine und so konnten wir in unserer Stunde an der Info einer Vielzahl an Studierenden, Mitarbeitenden oder auch Privatpersonen weiterhelfen.

Tag 2: Der Lesesaal und das Zeitschriftenmagazin

Am nächsten Tag erwartete uns eine Einführung in den Aufbau des großen Lesesaals mit all seinen verschiedenen Arbeitsplätzen und Rückzugsorten für die Benutzenden. Nach einer ausführlichen Tour der Räumlichkeiten halfen wir auch hier am Info-Schalter.

Die Hauptaufgabe hier ist die Ausgabe und Dokumentation der Literatur bzw. der Medien die nur (unter mehr oder weniger strenger Aufsicht) im Lesesaal genutzt werden darf (der sogenannte Präsenzbestand). Danach lernten wir das Zeitschriftenmagazin kennen und halfen beim Einsortieren neuer Lieferungen, was leichter klingt als es ist, wenn man die verschiedenen Signaturen noch nicht hundertprozentig überblickt hat.

Am Nachmittag waren wir dann noch in der Abteilung „Geschenk“, d.h. die Abteilung in der alle Titel gesammelt und katalogisiert werden, die die Stabi nicht käuflich erwirbt, sondern die der Bibliothek als Pflichtabgabe-Exemplare gestellt werden. Als Staatsbibliothek hat die SUB Hamburg nämlich den Sammelauftrag, alle in Hamburg veröffentlichten Titel aufzubewahren. In Hamburg ansässige Verlage haben eine Abgabeplicht und geben mehr oder weniger selbstständig ihre Pflichtexemplare ab. Oft muss aber auch hinterhergelaufen und ein Exemplar angefordert werden, worum sich dann neben vielen weiteren Aufgaben die Mitarbeitenden der Abteilung „Geschenk“ kümmern.

Tag 3 und 4: Die Akquisition im Detail

Am Mittwoch und Donnerstag sind wir tiefer in die Materie der Beschaffung eingetaucht, einen Tag lag der Fokus mehr auf Monografien, am anderen auf Zeitschriften. Jede*r Sachbearbeitende ist für einen anderen Lieferanten und unterschiedliche Fachbereiche zuständig. Was genau bestellt wird, entscheiden die jeweiligen Fachreferent*innen. Die Sachbearbeitenden prüfen dann, ob der Titel nicht doch schon im Bestand ist und vergeben dann verschiedene bibliografische Daten, bevor sie ihn bestellen. Sobald der Titel dann eintrifft muss dieser erfasst und verstandortet werden, sowie gestempelt und gesichert. Je nach Format (Hardcover oder Softcover) wird der Titel dann ggf. noch zur hauseigenen Buchbinderei gegeben.

Beim Erfassen der Zeitschriften staunten wir nicht schlecht darüber, was alles aufbewahrt wird: ein buntes Potpourri an klassischen Klatsch- und Tratsch-Zeitschriften, Fernsehzeitungen bis hin zu Flyern und Theaterprogrammen, es war alles dabei.

Tag 5: Handschriften und andere Kuriositäten

Den krönenden Abschluss bot dann die Führung durch die Handschriftenmagazine. Durch die tiefsten (und kältesten) Räume arbeiteten wir uns durch bis zum riesigen Tresorraum, in dem dann die großen Schätze lauerten. Karten, Atlanten, unendliche viele Bibeln und Briefe, Gemälde und gesamte Nachlässe berühmter Personen, darunter auch Kuriositäten wie Filmpreise oder Statuen. Man mag nicht glauben, was sich da so alles versteckt, ein wahres Paradies für Buch-affine Menschen wie uns.

Abschließendes Feedback

Nach der Führung, die für Alice und mich unumstritten das Highlight der Woche bildete, hatten wir noch ein kurzes Abschlussgespräch und wurden dann ins Wochenende verabschiedet. Insgesamt war das eine sehr bereichernde Erfahrung für uns beide und hat viel Spaß gemacht. Jetzt freuen wir uns auf die Stabi-Azubis, die uns bald im Gegenzug besuchen und unseren Arbeitsalltag ein wenig besser kennenlernen dürfen.

~Malin aus Hamburg~



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