Mit dem Fachbuchhandel haben sehr viele Menschen nur wenige bis gar keine Berührungspunkte. Als ich mich für meine Ausbildung bei Schweitzer entschied, kamen viele Fragen von Freunden, Familien, Verwandten. Da ich diese Fragen vor Allem vor Beginn meiner Ausbildung bekommen habe, waren meine Antworten oft nur wenig zufriedenstellend. Jetzt bin ich seit 9 Monaten dabei und habe auch schon den ersten Berufsschulblock hinter mir. Deswegen dachte ich mir, jetzt ist die perfekte Zeit, all die Fragen zu beantworten.
Was macht ein Buchhändler eigentlich?
(Dank meiner Klassenkamerad*innen aus der Berufsschule weiß ich das jetzt auch 😅)
Zum Buchhändlerdasein gehört nicht nur das Reine im Laden stehen und, nun ja, Bücher verkaufen. Eine gute Kenntnis der eigenen Kunden ist enorm wichtig. Nicht nur, um zu wissen, welche Titel und Themen sich gut verkaufen, sondern auch, um Bücher mit bestimmten Kunden im Kopf einzukaufen. Gerne erinnere ich mich, als ich mir beim Verräumen der Bücher im Mainzer Laden etwas unsicher war und einen Kollegen um Rat gefragt habe. Dieser nahm das Buch und stellte es dann vor das eigentlich falsche Regal, weil er wusste, dass der Titel für einen Kunden, der sich häufig eben nur dieses eine Regal ansah, interessant war. Und siehe da, der Kunde hat das Buch tatsächlich gekauft.
Auch die Beratung ist sehr wichtig. Ich finde, vor allem hier kann man den Unterschied zwischen dem Fachbuchhandel und dem allgemeinen Sortimentsbuchhandel gut sehen. Denn im Gegensatz zu eigentlich allen meiner Mitschüler*innen (ausgenommen sind die anderen 3 Schweitzer Azubis meiner Klasse) habe ich kein einziges der Bücher, die im Mainzer Laden stehen, gelesen, und doch hat das mit dem Beraten irgendwie funktioniert. Anders als in der Berufsschule gelernt, konnte ich meine Kunden nicht mit Erzählungen, wie spannend ich das Buch fand oder wie fesselnd der Erzählstil war, überzeugen, sondern mit Erklärungen über die Struktur oder die Verständlichkeit eines Lehrbuchs oder der Aktualität eines Titels.
Und natürlich gehört auch das Organisieren von diversen Events dazu. So etwa eine Schnitzeljagd zum Welttag des Buches oder ein Büchertisch in Kooperation mit einer Bibliothek.
Wie funktioniert eine Buchhändlerausbildung, wenn man gar nicht im Laden ist?
„Gar nicht“ ist an dieser Stelle etwas übertrieben. Am Anfang meiner Ausbildung habe ich 3 Monate im Mainzer Laden verbracht und in wenigen Wochen geht es für 2 Monate nach Hamburg. 5 Monate Ladenzeit ist definitiv nicht sehr viel, aber ich denke, durch die 2 verschiedenen Läden habe ich sehr viel Abwechslung. In Mainz habe ich einen doch recht kleinen Laden erlebt, dessen Fokus wirklich stark auf dem Fachbuch liegt. In Hamburg erwartet mich ein wesentlich größerer Laden, der über das Fachbuch hinaus auch noch eine ziemlich große Auswahl des allgemeinen Sortiments hat. Für mich wird das allgemeine Sortiment definitiv eine Herausforderung darstellen, trotzdem freue ich mich schon darauf, etwas „normalen“ Buchhändleralltag zu erleben.
Und was macht man, wenn man nicht im Laden ist?
Gerade weil ich nur so wenig Zeit meiner Ausbildung in einem Laden verbringe, ist die Ausbildung umso abwechslungsreicher. Bisher habe ich neben dem Laden Mainz die Abteilungen Kundenservice sowie Logistik (Wareneingang & Zeitschriftenauslieferung) durchlaufen. Gerade bin ich im Produktmanagement.
Hat das Berufsbild Buchhändler überhaupt noch Zukunft?
Die wohl wichtigste Frage, wenn es nach meiner Mutter geht. Ich würde definitiv mit „Ja“ antworten. In unseren Azubi-Webinaren stellen sich sehr viele Abteilungen vor, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht mit dem Buchhandel in Verbindung bringt. Und sehr häufig, wenn die Kolleg*innen der Abteilung sich und ihren Werdegang vorstellen, beginnen sie mit „Ich habe Buchhändler*in gelernt“. Schon das zeigt, wie abwechslungsreich dieser Beruf sein kann.
Würde ich mich nochmal für diese Ausbildung entscheiden?
Definitiv. Und vielleicht erkennt die IHK ja auch bald, dass es nicht nur den allgemeinen Sortimentsbuchhandel, sondern auch den Fachbuchhandel gibt. Denn in der Berufsschule war ich in Fächern wie Kinder- und Jugendliteratur durchaus etwas verloren. 😉
~ Hannah aus Frankfurt~