Klaus, Klaus, Klaus.
Wie schon in meinem Buchtipp angeteasert, war ich mit Kimberley und anderen Nachwuchskräften der Buchbranche beim Pop-up Comic Store zu Besuch. „CLub der AUSzubildenden“ oder eben „CLAUS“ ist das Nachwuchsnetzwerk des Bayerischen Börsenvereins und bietet verschiedene Möglichkeiten, sich untereinander zu vernetzen, die vielfältigen Verlage und Bereiche der Buchbranche kennenzulernen und mit dem „Clausblick“ und „bookyourcareer“ zwei Veranstaltungen für Jobperspektiven und Einblicke. Kimberley berichtete vergangenes Jahr über den Clausblick 2024, den Beitrag findet Ihr hier: CLAUSblick 2024 – blau machen.
Die Mitgliedschaft ist auch noch komplett kostenlos.
Besonders bei den CLAUSzuGast Besuchen bin ich sehr gerne dabei. Wir haben die Druckerei Pustet besichtigt, bei Penguin Random House was zu Lizenzmanagement und Arbeiten im Verlag erfahren und im Februar waren wir bei Athesia und haben ein Einblick über die Besonderheiten eines Kalenderverlags bekommen.
Für alle, die mehr wissen wollen: CLAUS – Das NachwuchsNetzwerk – Landesverband Bayern

Überall Comics, wann ist das passiert.
Die Stadt München stellt im Ruffinihaus am Rindermarkt mit dem Projekt „RUFFINIHAUS Creative Hub“ die Räumlichkeiten verschiedenen Projekten zur Verfügung. So auch dem Comic Pop-up-Store, der sozusagen als „Aperitif“ zum Comic Festival entstand, das vom 19 – 22. Juni in München war. Nach der Ankunft konnten wir direkt in der Auswahl an verschiedensten Comicbüchern und Graphic Novels stöbern. Die ausliegenden Comics waren bunt gemischt von Klassikern wie Asterix über Kindercomics bis zu den wissenschaftlichen Graphic Novels von Knesebeck war alles dabei. Natürlich war auch „Thomas Mann 1949: Rückkehr in eine fremde Heimat“ vorhanden. Der Titel ist pünktlich zum Thomas Mann-Jahr, anlässlich seines 150ten Geburtstags erschienen. Danach machten wir es uns gemütlich. Die Einstandsfrage von Martina Streble, Gründerin von Edition Helden war, was uns mit Comics verbindet und warum wir heute hier sind. Ich war die dritte Person in der Reihe, also schnell was überlegen, da mein erster Gedanke „nicht viel eigentlich“ war. Beim Kramen im Kopf kam ich dann doch auf eine ziemliche Menge. Die Comicecke in der Bücherei mit „Lucky Luke“, „Marsupilami“ und „Spiro“, das „Lustig Taschenbuch“, was bei uns in der Familie einmal rumging, bis es jeder mehrfach gelesen hatte und die Mangas und Comics in meinem Bücherregal. Besonders die Erinnerungen an die Comics der Bücherei kamen wieder hoch und auch, warum wir von denen so begeistert waren, neben der Geschichte natürlich. Ich bin Legasthenikerin und habe früher sehr schlecht und auch sehr ungern gelesen. Hängt wahrscheinlich irgendwie zusammen. Comics waren da einfach wunderbar als Einstieg und auch ein Ansporn, den Text doch zu lesen, um die Geschichte zu verstehen. Im Übrigen hatte niemand in der Runde im Berufsleben viel mit Comics und Graphic Novels zu tun, was ziemlich bezeichnend für den Markt ist. Comics haben es im normalen stationären Handel schwer.

Die Welt der Comics außerhalb der Helden in Strumpfhosen.
Gründe für die schwierige Präsentierung im Laden und andere Besonderheiten stellten uns Martina Streble und Maren Harperscheidt, Junior Lektorin im Knesebeck Verlag, dann in einer anschließenden Präsentation vor. Erst mal gab es kleine Einführungen in die Begriffe und Ländergegebenheiten: Franko-belgischen DIN 4 groß, Hardcover, Tim und Struppi, Asterix und Co. Aus den USA kommen traditionell die Superhelden, früher als Heft heute auch Hardcover und dann natürlich Mangas, Manhwas und Manhuas aus Japan, Korea und China als Webtoon oder DIN 5 Softcover. Dazwischen bewegt sich grade ungemein viel. Weiter ging es mit den verschiedenen Erscheinungsformen. So wurde uns die Welt der Comics Stück für Stück immer nähergebracht. Spannend ist auch, dass das Übersetzen von Comics dahingehend besonders ist, dass die Textfläche ja vorgegeben ist, der ganze Text muss in die Sprechblase passen. Comics werden auch zweimal unabhängig voneinander lektoriert, einmal die Zeichnungen mit der Seitenaufteilung, der Perspektive und dem Szenenbild und dann natürlich der Text. Uns wurde sogar Einblicke in die Storyboardentwicklung verschiedener Comics und Graphic Novels gewährt und wie die Seite dann schlussendlich aussieht. Besonders die unterschiedlichen Stile der einzelnen Künstler und Künstlerinnen waren für mich besonders interessant, ebenso die Begründungen, warum Szenen geändert worden sind. Nach all dem Input gab es noch eine offene Diskussionsrunde und Zeit und Verpflegung zum Austausch. Reich beschenkt wurden wir noch dazu. Knesebeck hat uns allen eine Give-a-way-Tüte gepackt mit: „Der grosse Gatsby“ und „Thomas Mann 1949“!
Rundum: Ich habe sehr viel Input mitbekommen, Einblicke erhalten, Erinnerungen aufgefrischt und eine schöne Zeit gehabt. Ich kann CLAUS und CLAUSzuGAST nur empfehlen. Was auf jeden Fall haften bleibt, ist, dass die Welt der Comics und Graphic Novels vielfältig und bunt ist und sehr viel leisten kann.
Empfehlenswerte Comics: (lose zusammengestellt ohne auch nur den geringsten Zwang zur Vollständigkeit.)

Die Frau als Mensch – Ulli Lust
Preisträger des deutschen Sachbuchpreis 2025!
Leseexemplar über NetGalley zur Verfügung gestellt bekommen und gelesen, faszinierende Einblicke in die frühgeschichtliche Zeit, thematisch und bildlich wunderbar aufgearbeitet.
Knobi und der Vampir – Bree Paulsen
Empfehlung einer befreundeten Buchhändlerin. Der Comic ist charmant, fantasievoll und bilderreich.

München 1945 – Sabrina Schmatz
Münchner Autorin und Zeichnerin.
Liebesgeschichte zwischen einer deutschen und einen amerikanischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg.
Interessanter Zeichenstyl, leicht Manga-artig und gleichzeitig skizzenhafter Charme.
Aber ich lebe
B. Yelin, M. Libicki, G. Seliktar
Vier Kinder überleben den Holocaust, ihre Geschichten wurden von drei Künstlern und Künstlerinnen aufgezeichnet. Besondere Portraits individuell erzählt.
Künstliche Intelligenz – Arnold Zephir
Leichter Einstieg in ein komplexes Thema und so schön analog.
~ von Jakoba aus München ~